Was muss noch passieren? Solidarität mit Queer Euskirchen e.V.

Gelsenkirchen, Regensburg, Schönebeck, Mönchengladbach. Im Jahr 2025 mussten mehrere queere Demos, Veranstaltungen und Christopher Street Days aufgrund von Drohungen, logistischen Schwierigkeiten und Sicherheitsbedenken abgesagt oder abgebrochen werden. Wir sollten nicht nur auf die größeren Städte achten, sondern auch die Orte unterstützen, die nicht immer Aufmerksamkeit erhalten. Deshalb möchte ich an dieser Stelle meine Solidarität mit Queer Euskirchen e.V. aussprechen.

Queer Euskirchen e.V. ging aus einer Initiative hervor, die sich 2020 gegründet hat. Ziel ist der Einsatz für die Rechte queerer Menschen sowie das Angebot einer sicheren Anlaufstelle. Der Verein organisiert u. a. einen queeren Stammtisch, den Christopher Street Day (CSD) in Euskirchen sowie Begegnungs- und Bildungsangebote. Das Ladenlokal „Simons Glück“ fungiert als zentraler Begegnungs-, Ausstellungs- und Vernetzungsraum.

Seit Ende letzten Jahres kommt es in Euskirchen zu einer alarmierenden Häufung politisch und queerfeindlich motivierter Angriffe. Der Vorstandsvorsitzende Winfried Kubitza-Simons wurde mehrfach persönlich angegangen. Sein Wohnhaus und sein Ladenlokal „Simons Glück“ wurde beschmiert, sein Auto zerkratzt. Die Anbringung des Schriftzugs „Volksverräter“ an seinem Wohnhaus entsetzt mich. Was queere Menschen und engagierte Ehrenamtliche hier erleben mussten, macht mich von Herzen betroffen.

Nicht nur Vandalismus, sondern gezielte Einschüchterungsversuche

Besonders erschütternd: Bedrohungen, homophobe Beschimpfungen, Hassparolen. Zusätzlich wurde vor wenigen Wochen eine Morddrohung gegen eine Transfrau angezeigt; diese enthielt ein Hakenkreuz, ein AfD-Logo und die Darstellung einer Maschinenpistole.

„Die Angriffe in Euskirchen sind widerlich und zutiefst demokratiefeindlich. Wer queere Menschen und Ehrenamtliche ins Visier nimmt, greift unser aller Freiheit an. (…) Keinen Millimeter für Queerfeindlichkeit, Hass und Hetze.“
Wilfried Gierden (KV-Sprecher)

Nachrichten mit Hakenkreuzen, AfD-Logos und „Volksverräter“-Aufschriften. Das sind nicht bloß Einschüchterungsversuche. Das sind Angriffe auf Demokratie, Freiheit und queeres Leben in Euskirchen. Queer Euskirchen e.V. leistet seit 2020 unverzichtbare Arbeit: als Schutzraum, als Begegnungsort, als Stimme für Vielfalt. Der queere Stammtisch, der CSD, der Jugendtreff yoU25, all das schafft Sicherheit, Sichtbarkeit und Gemeinschaft. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Bislang liegen keine Hinweise auf die Täter*innen vor.

Gerade junge Menschen brauchen solche Orte. Orte, an denen sie ohne Angst sie selbst sein können.

Ich habe großen Respekt vor den Ehrenamtlichen, die trotz Bedrohungen weitermachen. Ich stehe an der Seite von Queer Euskirchen und alle queeren Menschen in unserer Region. Queerfeindlichkeit und Rechtsextremismus dürfen keinen Platz haben – nicht hier, nicht irgendwo. Es macht mir Hoffnung zu sehen, wie viel Rückhalt es gibt: aus der Stadtgesellschaft, von Kirchen, Initiativen, Parteien und vielen Privatpersonen. Diese Solidarität ist ein starkes Zeichen.

Aus Gründen: Schirmherrschaft für den CSD Euskirchen

Ich stehe fest an der Seite von Queer Euskirchen e.V. und ich freue mich sehr, Schirmherrin beim diesjährigen CSD in Euskirchen am 16. Mai sein zu dürfen. Danke an alle, die Haltung zeigen und sich nicht einschüchtern lassen. Ihr seid nicht allein. Wir stehen zusammen.

Berichterstattung in den Medien:

WDR Lokalzeit aus Bonn (ab Minute 4:32)

WDR Aktuelle Stunde (ab Minute 30:25)

Kölnische Rundschau

SCHWULISSIMO

Foto: Queer Euskrichen e.V.