Zivilcourage gegen Rassismus in der Pflege! Leverkusens Auszubildende machen es vor.

Die Auszubildenden Leandra Brauer (l) und Pascal Lucas (r) nehmen die Auszeichnung von Bundestagsabgeordneten Nyke Slawik (M) entgegen.

Die Pflegeschule Leverkusen hat Ende Oktober die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten. Als Schirmherrin des Projekts freue ich mich sehr über das Engagement von Schüler*innen und Lehrkräften.

Die Auszubildenden der Pflegeschule Leverkusen haben sich dazu entschieden, Teil des deutschlandweiten Schulnetzwerks zu werden, und das aus gutem Grund. Pflegepädagoge Florian Krasniqi, der das Projekt an der Schule betreut, erzählte bei der Verleihung des Schildes von eigenen Diskriminierungserfahrungen in seinem Alltag. „Auch von den Schülerinnen hören wir leider immer wieder, dass sie bei den praktischen Teilen der Ausbildung von Patientinnen und Patienten oder deren Angehörigen diskriminierend behandelt werden.“

Das bestätigten auch die beiden Pflegeschülerinnen Leandra Bauer und Pascal Lucas stellvertretend. Auszubildende würden fast täglich mit Vorurteilen und Benachteiligungen konfrontiert. So komme es beispielsweise zu rassistischen Äußerungen von Patient*innen und teils auch Kolleg*innen. Einige Patientinnen würden beispielsweise die Behandlung verweigern, wenn Pflegerinnen keine weiße Hautfarbe hätten.

Ich freue mich, dass die Pflegeschule Leverkusen entschieden hat, dieses Problem sichtbar zu machen, aktiv Verantwortung zu übernehmen und ein klares Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen.

Die Initiative „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ besteht seit 1995. Seitdem ist das Netzwerk an Schulen stetig gewachsen und mittlerweile das größte Schulnetzwerk in Deutschland. Allein in NRW haben sich 1,421 Schulen angeschlossen, davon 167 Berufsschulen. Voraussetzung für die Auszeichnung ist, dass mehr als 70 Prozent der Schülerinnen erklären, sich aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus einsetzen zu wollen. In erster Linie geht es also um eine Selbstverpflichtung der Schülerinnen zu Eigeninitiative
und Zivilcourage.

Darauf bin ich im Gespräch mit den Schülerinnen auch eingegangen. Es ist nicht immer einfach, Zivilcourage zu zeigen. Manchmal kostet es Mut, aufzustehen und etwas zu sagen, wenn Unrecht geschieht. Aber genau das ist der Kern dieses Projekts. Courage heißt nicht, perfekt zu sein. Courage heißt, nicht wegzusehen. Und manchmal heißt Courage auch, Fragen zu stellen, sich selbst zu reflektieren und dazuzulernen.

Die Plakette an der Schulfassade ist kein Zeichen für das bereits Erreichte, sondern ein Auftrag für die Zukunft. Und sie ist auch ein Eingeständnis: Das Rassismus und andere Formen von Diskriminierung, wie Sexismus und Queerfeindlichkeit, ein strukturelles Problem sind, von dem sich niemand frei machen kann.

Die Plakette erinnert alle an die gemeinsame Verpflichtung, eine Schule zu schaffen, an der sich jeder sicher und respektiert fühlt. Es geht darum, einen Raum zu schaffen, in dem sich alle mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen, in dem man offen auf andere zugeht. Es geht darum, aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus einzutreten, nicht nur bei großen, sondern auch bei den alltäglichen, kleinen Vorfällen. Es geht um den Mut, hinzusehen und einschreiten, wenn die Kolleginnen, Patientinnen oder andere Mitmenschen diskriminiert werden.

„Wir können Antidiskriminierung nicht institutionell vorgeben und dann davon ausgehen, dass es umgesetzt wird. Es ist ein Auftrag für jede und jeden Einzelnen“, sagte Florian Krasniqi.

Ich freue mich sehr, dass die Schülerinnen mich gebeten haben, Schirmherrin dieses wichtigen Projekts zu sein, und wünsche allen an der Pflegeschule Leverkusen viel Erfolg und Kraft dabei, diese Verantwortung im Alltag umzusetzen. Es liegt in der Hand jedes Einzelnen von uns, dafür zu sorgen, dass wir uns gegenseitig mit Respekt und auf Augenhöhe begegnen.

Als Patin möchte ich die Schülerinnen ermutigen: Bleibt offen. Hört zu. Seid achtsam. Und vor allem: Unterstützt euch gegenseitig. Denn nur gemeinsam können wir ein Klima schaffen, in dem sich alle entfalten und wohlfühlen können, unabhängig von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Sprache. Ich danke euch, dass ihr euch für dieses Projekt entschieden habt. Dass ihr euch engagiert und vor allem auch am Ball bleibt. Nicht nur heute, sondern auch morgen, auf Station, in der Schule, im Leben.

Lasst uns zusammen zeigen: Diese Pflegeschule ist ein Ort des Miteinanders. Diese Klinik ist ein Ort des Respekts. Und euer Beruf ist ein Beruf für alle – mit Herz, mit Verstand und mit Courage.

Pressebeiträge zu dem Thema:

Pflegeschule am Klinikum Leverkusen wird „Courage-Schule“I Radio Leverkusen

Zeichen setzen in Leverkusen: Kein Rassismus an der Pflegeschule des Klinikums I RP Online

Klinikum Leverkusen: Kampf gegen Diskriminierung in der Pflege I KStA

Pflegeschule am Klinikum Leverkusen wird „Courage-Schule“ | Klinikum Leverkusen