Queere Sichtbarkeit in Leverkusen

Fachtag „Queer in Leverkusen“

Wir halten die Gesellschaft zusammen! In einer Zeit, in der sich viele Menschen Sorgen darüber machen, ob ihre lang und hart erkämpften Rechte durch das Erstarken des rechtsextremen Lagers wieder zurückgedrängt werden, hat der Fachtag „Queer in Lev“ mir und viele anderen Menschen Raum geboten, um sich auszutauschen und zu queeren Themen zu vernetzen.

Freiheiten, die in den letzten Jahren gewachsen, die teilweise gegen große Widerstände erkämpft worden sind, werden jetzt von einigen Menschen wieder in Zweifel gezogen.

Ich war in den vergangenen Wochen mehrmals in Thüringen. Dort haben viele marginalisierte Menschen Angst vor Gewalt. Und auch hier bei uns gibt es nach wie vor queerfeindliche Angriffe. Selbst unter jungen Menschen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass Akzeptanz und Vielfalt einfach so gelebt werden. Auch da gibt es queerfeindliche Parolen. Unter anderem deswegen war dieser Fachtag, der insbesondere queeres Leben von Familien, Kindern und Jugendlichen in Leverkusen in den Fokus gerückt hat, so wichtig.

Als ich damals in Leverkusen zur Schule gegangen bin, haben solche Strukturen gefehlt. Es gab keine Anlaufstelle für mich und so ein Fachtag wie dieser war undenkbar. Heute hat sich das geändert. An meiner ehemaligen Schule gibt es inzwischen eine Diversitäts-AG und bei dem Fachtag „Queer in Lev“ haben Menschen aus der Verwaltung, Lehrer*innen, Ärzt*innen und Interessierte gezeigt, dass sie sich für mehr queere Rechte und Beteiligung engagieren und queeres Leben in Leverkusen sichtbar machen wollen.

Ich danke den Organisator*innen für diesen wichtigen Austausch. Besonders Mut macht mir das Versprechen von Daniela Lindemann, einer der Organisator*innen und Mitarbeiterin des Sachgebiets Prävention der Stadtverwaltung Leverkusen, dass der Fachtag kein einmaliges Ereignis bleiben soll, sondern der „Auftakt eines langfristigen Prozesses, damit die Lebensqualität und die Rechte queerer Menschen in Leverkusen langfristig gestärkt werden“.

In meiner Begrüßung habe ich betont, wie wichtig der Zusammenhalt und das Engagement für Menschenrechte und Vielfalt ist. Es gibt keine einfachen Antworten auf die Probleme, denen wir gegenüberstehen. Aber gerade jetzt – in diesen schwierigen Zeiten – müssen wir Räume für Vernetzung und Austausch schaffen und positiv bleiben. 

Im anschließenden Workshop haben wir darüber gesprochen, was in dieser Legislaturperiode bereits für queere Menschen verbessert wurde und welche Änderungen gerade noch von Bundesregierung und Bundestag debattiert werden. Besonders spannend waren auch die Themen, die die anderen Besucher*innen des Fachtags bewegen und ihre persönlichen Erfahrungen, die sie geteilt haben. Dabei ging es unter anderem um mehr Rechte für queere Menschen mit Behinderungen und queere Geflüchtete. Sorgen machen sich die Teilnehmer*innen des Workshops nicht nur um sich und ihre Familien, sondern auch um die Finanzierung von Initiativen und Vereinen, die wichtige Arbeit leisten, damit marginalisierte Gruppen die Unterstützung erhalten, die sie so dringend benötigen. Dafür werde auch ich mich weiterhin einsetzen.

Daher mein Appell: Wir wollen all dem Zwietracht und all dem Hass eine positive Vision von der Zukunft entgegensetzen, die nicht von Ausgrenzung und Spaltung geprägt ist, sondern von einer Gesellschaft, die mit neuen Ideen und neuem Potenzial Menschen aktiviert. Eine Gesellschaft, die Menschen zeigt, dass sie gesehen werden, wie sie sind, und dass ihre Mitwirkung gewünscht und wertvoll ist.

Weitere Infos: https://www.leverkusen.de/pressemodul/pressemitteilungen/september/fachtag-queer-in-leverkusen#:~:text=Der%20Fachtag%20%E2%80%9EQueer%20in%20LEV%E2%80%9C%20markiert%20den%20Beginn%20eines%20langfristigen,Menschen%20in%20Leverkusen%20zu%20st%C3%A4rken.